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Treffen der Wirtschaftsclubs Ost- und Mitteleuropas

28. September 2013

BERLIN. Die Wirtschaftsclubs in Ost- und Mitteleuropa wollen künftig enger zusammenarbeiten. Wie Dr. Gerd Lenga, Vorsitzender des Ost- und Mitteleuropa Vereins e.V. auf der zweiten Konferenz der Deutschen Wirtschaftsclubs im osteuropäischen Raum heute erklärte, werde man die Kräfte konzentrieren, um die Interessenvertretungen der deutschen Wirtschaft in den einzelnen Ländern weiter zu stärken. Die Teilnehmer der Beratung, die sich im vergangenen Jahr bereits auf Initiative des Wirtschaftsclubs Russland zu einer Konferenz in Kiew getroffen hatten, diskutierten, wie die Angebote der einzelnen Clubs länderübergreifend besser vernetzt und insbesondere für Mittelständler einfacher zugänglich gemacht werden können. Teilnehmer der Konferenz waren Vertreter der Wirtschaftsclubs aus Belarus, Ungarn, der Ukraine, Rumänien und Russland. Einer der ältesten Wirtschaftsclubs ist der Deutsch-Belarussische Wirtschaftsclub e.V. Er wurde 1994 in Minsk gegründet und hat heute 80 Mitglieder. Wie der Vorsitzende Klaus Baier informierte, ist der Club heute als Mitglied im Konsultativrat für Ausländische Investitionen ein wichtiger Ansprechpartner für die Regierung in Belarus. Hier leitet Klaus Baier die Arbeitsgruppe „Verbesserung des Images des Standortes Belarus im Ausland". Deutsche Wirtschaftsvertreter in der Ukraine gründeten vor drei Jahren den Deutschen Wirtschaftsklub. Gegenwärtig sei es wegen der wirtschaftlichen Situation in der Ukraine schwierig, neue Mitglieder zu gewinnen, sagte der Vorsitzende Hilmar Enke. Expatriats verließen das Land, Neuzugänge seien selten.
Den Deutschen Wirtschaftclub Budapest präsentierte der neue Vorsitzende, Dr. Arne Gobert. Der Club hat heute 159 Mitglieder. Anders als in den anderen Wirtschaftsclubs Ost- und Mitteleuropas gibt es in Budapest keine Firmen-, sondern eine persönliche Mitgliedschaft. Für Berater wolle man den Zugang künftig limitieren. In diesem Jahr habe der Club wieder mehr Zulauf, was vor allem durch ein attraktives Veranstaltungsprogramm erreicht werde. Höhepunkt war unter anderem der Vortrag des Gouverneurs der Ungarischen Zentralbank, György Matolcsy. Eine ganz eigene Struktur der Wirtschaftsclubs stellte Jörg Prohaszka vor, Geschäftsführer des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen, Rumänien. Hier arbeiten insgesamt acht unabhängige Clubs, allerdings keiner in der Hauptstadt Bukarest, sondern alle in den Industriezentren des Landes. Der Deutsche Wirtschaftsclub Siebenbürgen (DWS) hat 250 Mitglieder, insgesamt sind in den acht Clubs etwa 800 Unternehmen vertreten. Er wurde 1998 gegründet. Durch die dezentrale Organisation hätten die einzelnen Clubs sehr engen Kontakt zu den lokalen Administrationen. So werde im kommenden Jahr zum Beispiel eine deutsche Berufsschule in Hermannstadt gegründet. Eine dreijährigen Ausbildungszeit wird mittelfristig angestrebt. Der Staat beteilige sich an der Finanzierung, die deutschen Unternehmen würden das Projekt mit tragen. Erstmals verleihen die Wirtschaftsclubs in diesem Jahr einen Unternehmerpreis. Zur Gewinnung neuer Mitglieder bieten sie unter anderem ein Discountprogramm (Business-Partner Programm) an, das z. B. bei Flügen oder Hotelbuchungen genutzt werden kann.

Initiator des Treffens der Wirtschaftsclub war auch in diesem Jahr wieder der Wirtschaftsclub Russland. Er wurde 2010 gegründet. Vorstandsvorsitzende ist Frau Dr. Karin von Bismarck. Der Club ist sowohl in Deutschland als auch in Russland aktiv, die bilateralen Beziehungen zwischen russisch- und deutsch sprechenden Führungskräften und Unternehmern stehen im Vordergrund der Arbeit des Clubs. Der Wirtschaftsclub Russland wolle dabei nicht nur den gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder dienen, sondern auch das soziale und kulturelle Zusammenleben fördern, so Karin von Bismarck. Der Club unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu verschiedenen Vereinigungen sowohl in Deutschland als auch in ost- und mitteleuropäischen Ländern.

Zur Eröffnung der Konferenz referierte Alexander Rahr, Berater des Präsidenten der AHK Russland und Forschungsdirektor des Deutsch-Russischen Forums, über die Erwartungen der Wirtschaft an die Bundesregierung bezüglich der Zusammenarbeit mit Russland. Rahr erinnerte daran, dass Russland in den vergangenen Jahren sechs Angebote an Deutschland und andere westliche Länder zur Vertiefung der Kooperation unterbreitet habe: Die Gründung einer Energieallianz, der gemeinsame Kampf gegen den Terrorismus, den Aufbau eines gemeinsamen Raketenabwehrsystems, den Aufbau einer Transasiatisch- Europäischen Sicherheitsarchitektur, die Bildung eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes EU- Russland und die gemeinsame Befriedung Afghanistans. Diese Punkte sollte sich die neue Regierung auf die Fahne schreiben. Wichtig für die Zukunft sei die Einbeziehung Russlands in das Programm östliche Partnerschaft der Europäischen Union. Gegenwärtig habe die EU kein Angebot für Russland. Deutschland sollte seine Vermittlerrolle in Bezug auf Russland wieder wahrnehmen. Wirtschaftliche Kooperationen seien der Schlüssel zum Erfolg, um die Beziehungen zu Russland wieder zu verbessern, so Rahr.

Die Teilnehmer forderten die neue Bundesregierung auf, die Basisinitiative der Clubs besser zu unterstützen, den Zugang zu Förderprogrammen und Projekten zu vereinfachen und auf den Erfahrungsschatz der mittelständischen deutschen Unternehmer in Osteuropa stärker zurück zu greifen. Viele Teilnehmer wandten sich gegen institutionelle Alleinvertretungsansprüche. Diese seien nicht mehr zeitgemäß und begrenzten Potenziale, statt sie zu fördern.

Die 3. Konferenz der deutschen Wirtschaftsclubs in Osteuropa wird auf Einladung des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen im Herbst 2014 in Hermannstadt stattfinden.

Quelle: Ost-West Contact online (jf), (www.owc.de) vom 27.09.2013
Foto: DWS

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