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Gemeinsam sind wir stark - 3. Konferenz der DWC in Osteuropa

10. November 2014

„Zusammen sind wir stark"

3. Konferenz der deutschen Wirtschaftsclubs aus Mittel- und Osteuropa

Am vergangenen Wochenende fand die 3. Konferenz der Deutschen Wirtschaftsclubs in Mittel- und Osteuropa in Hermannstadt statt. Anwesend waren Vertreter der acht deutschen Wirtschaftsclubs aus Rumänien sowie der deutschen Wirtschaftsclubs aus Russland und Ungarn. Zu den Gesprächsthemen gehörten u. a. das Finden und Binden von Mitarbeitern oder das Erstellen einer gemeinsamen Austauschplattform für die deutschen Wirtschaftsclubs.

Ins Leben gerufen wurde die Konferenz von dem Deutschen Wirtschaftsclub in Russland. Konferenzen gab es bislang in Kiew und Berlin. Zur Konferenz in Hermannstadt luden der Vorsitzende des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen, Jürgen Schmidt, DWS-Geschäftsführer Wiegand Fleischer sowie die Vorsitzende des Deutschen Wirtschaftsclubs Russland und Mitveranstalterin Karin von Bismarck ein. Anwesend waren auch die Vizebürgermeisterin Astrid Fodor, der Deutsche Botschafter Werner Hans Lauk, der Schweizer Botschafter Jean-Hubert Lebet sowie Rudolf Lukavsky, Wirtschaftsattaché der Österreichischen Botschaft in Bukarest.
„Das Ziel dieser Wirtschaftskonferenz ist es, Kommunikation zu fördern und wir wissen: zusammen sind wir stark", sagte Karin von Bismarck, Vorsitzende des Deutschen Wirtschaftsclubs Russland und Mitveranstalterin der Konferenz. „Wir wollen die Kommunikation fördern, in ganz Osteuropa. Wir haben festgestellt, spezielle Probleme, die es in Rumänien gibt, die gibt es auch in anderen osteuropäischen Ländern, und auf der anderen Seite gibt es auch spezielle Probleme hier in Rumänien, die wir heute auch diskutieren, wo sich die deutschsprachigen Clubs in Rumänien auch zusammentun wollen und so können wir gemeinsam an einem Strang ziehen, Synergien nutzen und vorwärts kommen. Wir haben heute schon beschlossen, dass wir eine Austauschplattform weiter ausbauen, wo wir Beschlüsse, Diskussionsgrundlagen für Rumänien aber auch für Osteuropa weiter vorantreiben." Man verstehe sich als eine Dachorganisation, wobei es darum gehe, den Wirtschaftsraum Osteuropa zusammen mit den Heimatländern der Investoren Deutschland, Österreich und der Schweiz weiter zu entwickeln.
Auf die Frage einer Journalistin, ob die Investoren in Russland besorgt seien im derzeitigen wirtschaftlichen und politischen Kontext, antwortete Karin von Bismarck, dass die Stimmung angespannt sei, das wichtigste aber in so einer Situation sei, das man im Dialog bleibe, dass man Empathie mitbringe und versuche, sich in den anderen hineinzuversetzen, um ihn zu verstehen. Das sei genau das, was man mit dem Wirtschaftsclub Russland und mit den anderen Wirtschaftsclubs hier vorantreiben wolle: Unabhängigkeit von der politischen Situation.
Im Rahmen der Vorträge war eines der Gesprächsthemen die duale Ausbildung, neue Ansprüche an Kandidaten oder wie man zu neuen Mitarbeitern kommt.
Karin von Bismarck ging in ihrem Vortrag auf die Generation Y ein, die Generation, die jetzt die Schule abgeschlossen hat, die jetzt in die Ausbildung geht, bis ins Alter von etwa 37, also Leute, die als Nachwuchskräfte gebraucht werden. Für diese Generation sei beispielsweise die Sinnhaftigkeit des Jobs und die Vereinbarkeit mit Freizeit wichtiger, als der Lohn.
„Generation Y möchte abgeholt werden", lautete der Hauptgedanke des Vortrags von Jürgen Schmidt, Vorsitzender des Deutschen Wirtschaftclubs Siebenbürgen und Geschäftsführer von Marquardt in Hemannstadt. „Es ist anders als in meiner Jugend, als die großen Unternehmen gewartet haben, bis sich jemand beworben hat". Anhand eigener Erfahrungen schlug Schmidt vor, die Unternehmen bekannt zu machen. „Wir haben Sponsoring gemacht, kulturelle Dinge unterstützt, soziale Dinge gemacht, wir haben Umweltthemen unterstützt und wir unterstützen ganz besonders das Thema Bildung." Schmidt sprach u. a. von dem Aufbau der dualen Berufsausbildung in Hermannstadt. Ab diesem Jahr startete schließlich der erste Jahrgang der dualen Berufsschule mit drei Klassen mit insgesamt 90 Schülern. Berufsschulen gibt es in Rumänien aber bereits in Kronstadt, Temeswar und Mühlbach.
Weiterhin gehe man mittlerweile in die Lyzeen und biete den Schülern Praktikumsmöglichkeiten in den Firmen an, so dass die Schüler sehr früh Kontakt mit den Firmen bekommen. Das zweite Standbein der dualen Ausbildung, das man bei Marquardt verfolge, sei die Unterstützung der Universität hier in Hermannstadt. „Wir stellen Labors zur Verfügung, wir sponsern Labors, wir stellen unsere extracurricularen Vorlesungen, mit eigenen Vortragenden, zur Verfügung und wir unterstüzen Professoren, die Vorträge machen", sagte Schmidt. Es gebe im Jahr knapp 100 Praktikanten von der Universität. Knapp der Hälfte werde die Möglichkeit zu einem 20-Stunden-Vertrag gegeben, wobei flexibel gearbeitet werden könne. Das werde in allen Bereichen gemacht, sowohl im Entwicklungsbereich, als auch im Qualitätsicherungsbereich, im IT-Bereich und auch in der Produktion. „Wir binden die Leute sehr früh an uns", sagte Schmidt. In diesem Jahr habe er es geschafft, 700 Mitarbeiter anzustellen, womit Marquardt auf insgesamt etwa 2.000 Mitarbeiter kommt. 2008 hatte man nämlich mit 500 Mitarbeitern angefangen, wobei Schmidt das Anwerben von neuen Mitarbeitern als aussichtslos präsentiert wurde. Ein Unternehmen müsse sich genau so um Mitarbeiter kümmern, wie sich Mitarbeiter um einen Job kümmern, unterstrich Schmidt.
In den Wortmeldungen wurde unter anderem auch das Thema der Abwanderung der Arbeitskräfte angesprochen.
Werner Braun vom Deutschen Wirtschaftsclub Kronstadt hielt ebenfalls einen Vortrag, dessen Kerngedanke ebenfalls die Vernetzung war, um gemeinsam für strukturelle Veränderungen kämpfen zu können. Braun soll in Kronstadt die Vorarbeit für Rumänien gemacht und als erster es geschafft haben, gemeinsam mit staatlichen Behörden die erste Berufsschule in Rumänien nach deutschem Vorbild auf die Beine zu stellen.
Duale Ausbildung gibt es bereits in der Schweiz, in Deutschland und Österreich. Laut Karin von Bismarck wollen große Unternehmen wie Siemens und Bosch in Russland die duale Ausbildungen einführen. Rumänien sei sozusagen, fast Vorreiter in Osteuropa mit dem Modell der dualen Ausbildung. Laut Rudolf Lukavsky soll es in der Slowakei, Ungarn oder Bulgarien ähnliche Initiativen geben, dieses System der dualen Berufsausbildung zu stärken oder wiedereinzuführen.
Uwe Leuschner, Vorstand im Wirtschaftsklub Russland und Beauftragter des Vorstandes für die Geschäftsentwicklung in den CIS – Staaten sprach über die Euroasische Union, die am 1. Januar 2015 ausgerufen werden soll. Die nächste Konferenz der Deutschen Wirtschaftsclubs in Mittel- und Osteuropa soll im nächsten Jahr in Budapest stattfinden.

Hermannstädter Zeitung, Ausgabe Nr. 2405 vom 6. November 2014
Werner FINK

Bei der Pressekonferenz (v. l. n. r.) : Wiegand Fleischer, Botschafter Jean-Hubert Lebet, Rudolf Lukavsky, Botschafter Werner Hans Lauk, Karin von Bismarck, Jürgen Schmidt und Andreas Huber.
Foto: der Verfasser

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