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Artikel aus der ADZ vom 14.08.2010

14. August 2010

Hermannstadt: Nicht zertifiziert, dafür mehr Lohn
Deutsche Unternehmen bilden ihre Handwerker selbst aus

hw. Hermannstadt - Es gäbe eine personelle Lücke zwischen dem Ingenieur und dem ungelernten Arbeiter, benennt Jörg Prohaszka das Problem, vor dem einige Unternehmen stehen. Man benötige eigentlich den Handwerker, Leute, die Entwürfe an den Maschinen praktisch umsetzen können. Aus dieser Not heraus starteten vier Mitgliedsfirmen des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen (DWS) im vergangenen Jahr testweise einen Lehrgang für Metallbearbeitung – eine Initiative, die unter der Führung des DWS in ein kontinuierliches Ausbildungsprojekt münden soll.

Ein neuer Kurs mit 20 Lehrlingen aus zehn Firmen soll Mitte Oktober beginnen. Am Donnerstag trafen sich Vertreter der Firmen in den Räumen des Unternehmens Brandl, um die Rahmenbedingungen zu diskutieren. An den Gesprächen nahmen auch der deutsche Generalkonsul Thomas Gerlach sowie die Rumänienbeauftragten der Bundesländer Brandenburg und Hessen, Dr. Birgit Schliewenz und Bernhard Hoffmann teil.

Bei der Initiative wolle man nicht die Fehler wiederholen, die es bei ähnlichen Projekten in der Vergangenheit gab, sagte Prohaszka, Geschäftsführer des DWS. „Die Inhalte kommen ganz klar aus den Betrieben", sagte Prohaszka. Man werde nicht wie bei vielen anderen Projekten Ausbildungsprogramme aus Deutschland importieren, sie rumänisch anpassen und dann durchführen. „Das ist zehn Jahre in die Hose gegangen." Diesmal sollen die Lehrinhalte aus dem Bedarf der Firmen vor Ort entwickelt werden.

Ganz wird dennoch nicht auf Erfahrung aus Deutschland verzichtet. Die Handwerkskammer Wiesbaden will pensionierte Meister schicken, die in Hermannstadt/Sibiu Trainer und Lehrlinge ausbilden. Der DWS sucht außerdem weitere Firmen, die Personal in dem Projekt ausbilden lassen möchten beziehungsweise das Projekt unterstützen. So suche man noch Maschinen, beispielsweise gebrauchte Fräsen oder Drehbänke für die praktische Ausbildung.

Die theoretische Ausbildung orientiert sich an den Lehrplänen der Industrieschule Independen]a, von wo auch einige der Lehrer kommen. Den praktischen Teil bestimmen die Firmen, die auch das gesamte Programm finanzieren.

Der DWS kann bei dem angekündigten Kurs auf die Erfahrungen einer ähnlichen Initiative zurückgreifen. Die Firmen Marquard, Phoenix-Mecano, Hartmann und Brandl bildeten zwischen November 2009 und April dieses Jahres 18 Mitarbeiter aus. Die Schüler erhielten 240 Stunden Theorieunterricht, angewandt wurden die Kenntnisse in 480 Praxisstunden in den Betrieben. Am 10. Juni hielten die Teilnehmer ihre Abschlusszeugnisse in der Hand.

Die Ausbildung steht anfangs nur Mitarbeitern von DWS-Mitgliedsfirmen offen, was auch an der fehlenden Zertifizierung durch öffentliche Stellen liegt. Allerdings werde der Lehrgang von den deutschsprachigen Unternehmen in Hermannstadt/Sibiu anerkannt, betonte Prohaszka. Die fehlende öffentliche Anerkennung muss für die Lehrlinge demnach kein Nachteil sein, der Abschluss soll sich nach den Worten von Prohaszka im Lohn niederschlagen: „Wir zahlen für einen guten Handwerker mehr als für einen schlechten Ingenieur."

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